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| 07.03.2004 - Werftarbeiter nehmen Madrid ein |
| Geschrieben von: tammo |
| Kategorie: |
International |
Mit über 100 Bussen und vielen Autos haben sich die Werftarbeiter aus sieben Regionen im spanischen Staat nach Madrid aufgemacht. Am ersten Streiktag, an dem sie über 24 Stunden streiken, haben etwa 20.000 Werftarbeiter ihren Zorn gestern in die spanische Hauptstadt getragen.
Sie fordern ernsthafte Verhandlungen über einen Tarifvertrag und die Umsetzung des Industrieplans, der die Werften erhalten soll. Die 11.000 Arbeiter der staatlichen Izar-Werften wurden von vielen Kollegen der Zulieferer unterstützt, die von der befürchteten Restrukturierung des Sektors betroffen wären, der noch 35.000 Personen beschäftigt.
Wegen Kampfbereitschaft der Arbeiter herrschte in Madrid Ausnahmezustand. Hubschrauber überflogen ständig die Stadt und die Sicherheitskräfte waren zahlreich auch mit Spezialkräften im Einsatz. Bis zum Redaktionsschluss blieb es friedlich, da die Guardia Civil oder die Nationalpolizei nicht mit Räumpanzern, Gummigeschossen und Tränengas gegen die Arbeiter vorging, wie sie es in Sevilla, Puerto Real oder Sestao üblich ist.
Neue Werftenschließung befürchten die Gewerkschaften, ob sie aus Andalusien, Galicien oder dem Baskenland kommen. Deshalb zog man gemeinsam vor die Zentrale der „Staatlichen Gesellschaft zur Beteiligung in der Industrie“ (Sepi) in Madrid, der die Izar-Werften gehören. Izar entstand 2001 aus dem Zusammenschluss der staatlichen Marinewerften „Bazán“ und der „Spanischen Werften“.
Die Arbeiter werfen der Sepi vor, die Verhandlungen über den Tarifvertrag seit über einem Jahr zu boykottieren und keine Aufträge zu besorgen, um die Belegschaft weich zu kochen. Sie verstoße gegen den Industrieplan von 2001, in dessen Rahmen viele Arbeitsplätze zur angeblichen Sicherung des Sektors vernichtet wurden.
Der Chef der Arbeiterunion (UGT) warf den Verantwortlichen vor, mit leeren Händen dazustehen und die Arbeiter mit virtuellen Schiffen zu ködern, um miese Arbeitsbedingungen anzunehmen. Cándido Méndez erklärte: „Leider gehen weder die Sepi, noch die Regierung, noch Izar auf die berechtigten Forderungen der Arbeiter ein“. Méndez bestritt die Vorwürfe der konservativen Volkspartei (PP), die Mobilisierung richte sich im Wahlkampf zu den Parlamentswahlen am 14. März gegen sie, um die Sozialisten zu stärken.
Dabei kommt es schon seit Monaten zu Ausständen, Demonstrationen und Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften, bei denen mehrere Hundert Arbeiter zum Teil schwer verletzt wurden. Weitere Streiks sind erst wieder nach Wahlen geplant.
Dass sich hinter der Verweigerung der Sepi mehr verbirgt als angeblich zu hohe Lohnforderungen von vier Prozent, hat die Regierung der baskischen Provinz Bizkaia verdeutlicht. José Luis Bilbao, Präsident der Provinz, erklärte gestern, seit Dezember gäbe es einen Vertrag zum Bau eines Öltankers für Norwegen in der baskischen Werft in Sestao. Die Energieversorger Iberdrola, Repsol finanzierten mit der BBK-Bank die 33 Millionen Euro und die Verträge seien schon abgeschlossen, aber die Sepi torpediere das Abkommen: „Herr Fontero Marin, Generaldirektor der Sepi für Europaangelegenheiten, hat uns letzte Woche erklärt, wir sollten den Auftrag vergessen, weil die Sepi das Schiff nicht bauen wird“.
© Ralf Streck den 05.03.2004
quelle: indymedia.org
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