Saddam Hussein in Tikrit verhaftet
Der entmachtete irakische Dikator Saddam Hussein ist in seiner Heimatstadt Tikrit von US-Truppen gefasst worden. Das haben Amerikaner und Briten am Mittag offizell bestätigt.
Teheran - Paul Bremer, oberster Zivilverwalter der Amerikaner im Irak. gab die Festnahme Saddam Husseins am Mittag offiziel bekannt. Zu selben Zeit bestätigte auch der britische Premier Tony Blair die Berichte aus dem Irak. Ein Sprecher des Irakischen Nationalkongresses sagte dem TV-Sender al-Dschasira: "Wir sind 100 Prozent sicher, dass er es wirklich ist, denn es wurde bereits ein DNA-Test durchgeführt." In der Nacht sei in Saddam Husseins Heimatort Tikrit eine Razzia durchgeführt worden.
Es gab bisher keine offizielle Mitteilung von US-Seite. Das Pentagon teilte in einer Stellungnahme mit, man könne die Meldungen nicht bestätigen. Berichte über Saddam Husseins angebliche Verhaftung hatte es schon mehrfach gegeben. Der US-Sender CNN meldete unter Berufung auf Quellen in Washington, US-Truppen versuchten noch, eine gefasste Person zweifelsfrei zu identifizieren. Die Quellen seien sehr vorsichtig, so CNN.
Die Amerikaner haben für 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit eine Pressekonferenz in Bagdad angesetzt. Es werde dort eine "sehr wichtige Mitteilung" geben. Worum genau es bei der Konferenz gehen wird, war noch unklar. Geleitet werden soll sie von Bremer, zusammen mit dem US-Oberbefehlshaber General Ricardo Sanchez.
Auch der Führer der kurdischen Partei PUK, Dschalal Talabani, berichtete von der Verhaftung Saddams. "Die Amerikaner sagen, dass sie das in den kommenden Stunden offiziel bekannt geben wollen", zitierte die iranische Nachrichtenagentur Irna dem Kurdenführer.
Auch ein Sprecher des irakischen Regierungsrates sagte zur Agentur AP, Saddam sei in US-Gewahrsam und am Leben. Mehrere Mitglieder des Regierungsrates seien durch Anrufe des obersten US-Zivilverwalters im Irak, Paul Bremer, davon in Kenntnis gesetzt worden. Bremer habe auch das führende Mitglied Ahmad Tschalabi angerufen, das gute Kontakte zu US-Präsident George W. Bush hat.
Reporter, die sich in der Nähe der 4. Infanteriedivision der US-Truppen in Tikrit aufhalten, konnten den Bericht bisher nicht verifizieren. In der Nacht zu Sonntag sei ihnen kein ungewöhnlicher Einsatz aufgefallen, sagten sie. Der britische Premierminister Tony Blair ist am Sonntag unmittelbar nach den ersten Meldungen unterrichtet worden. "Wir warten auf weitere Informationen", sagte eine Sprecherin Blairs. Der Premierminister hielt sich am Sonntag auf seinem Landsitz Chequers auf.
In der nordirakischen Stadt Kirkuk strömten nach Bekanntwerden der Berichte hunderte jubelnde Menschen auf die Straßen, meldet ein AP-Korrespondent. Sie feuerten Freudenschüsse in die Luft. "Wir feiern das als wäre es eine Hochzeit", sagte Mustapha Sheriff, ein Bewohner Kirkuks. "Wir sind diesen Kriminellen endlich los."
Saddam Hussein, 66, regierte den Irak bis zu seinem Sturz am 9. April 23 Jahre lang, seither ist er untergetaucht. Die USA haben ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf seine Ergreifung ausgesetzt. In der 55-köpfigen Liste der von den USA meist gesuchten Personen steht er auf Platz eins.
Saddam Hussein war den US-Truppen bisher immer entkommen. Immer wieder wurde berichtet, er wechsele alle paar Stunden seinen Aufenthaltsort, verkleide sich und werde von seinem Familienclan unterstützt. Die Verhaftung Saddams wäre ein wichtiger Moralschub für die US-Truppen im Irak, die unter fast täglichen Guerilla-Angriffen leiden. Auch könnte solch ein Erfolg die Chancen Bushs für eine Wiederwahl im November 2004 erhöhen.
Bericht von Spiegel.de
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