NZ-Artikel
Schulleiter sollen durchgreifen
Wolz lehnt Schulstreik ab — Schülerbündnis legt nach
„Das kommt nicht in Frage, der Unterricht findet ordnungsgemäß statt.“ Schulreferent Dieter Wolz wandte sich gestern gegen den für den 16. März geplanten Schülerstreik (die NZ berichtete). Dessen ungeachtet hat das Nürnberger Schülerbündnis, das bereits die Schulstreiks zum Irak-Krieg organisierte, zu einem zweiten Schulstreik gegen die bayerische Bildungspolitik am 2. April um 10 Uhr aufgerufen.
Schulreferent Wolz wies alle städtischen Schulleiter an, „eine einheitliche Linie zu fahren“ und Schülern wie Lehrern klarzumachen, dass sie mit Konsequenzen rechnen müssten, wenn sie sich vor Unterrichtsschluss an der Aktion beteiligen. Es gehe nicht an, dass „irgendwelche selbst ernannten externen Autoritäten“ zu jeder Zeit zu einem Schulstreik aufrufen und dabei den Eindruck vermitteln, man könne „einfach so locker-flockig vom Unterricht wegbleiben“. Wenn es den Organisatoren ein wirkliches Anliegen sei, gegen befürchtete Einbußen in der Bildung zu demonstrieren, „warum kann man so eine Aktion dann nicht auf die Zeit nach 13.30 Uhr legen?“
Angesichts der Aufforderung an die Schüler, ihre Schule während der Unterrichtszeit zu verlassen, vermutet Wolz, „dass Disziplinarverstöße geradezu gewollt sind“. Wie die Direktoren verfahren sollen, wenn Schüler bzw. Lehrer vom Unterricht wegbleiben, wollte der Schulreferent nicht vorschreiben. „Wenn es dazu kommt, werde ich mich mit den Schulleitern zusammensetzen“, kündigte Wolz an.
Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warf er vor, sie bringe durch den Aufruf zur Teilnahme am Streik Lehrer in Loyalitätskonflikte.
Auch die Schüler-Union Nürnberg-Fürth-Schwabach lehnt den Streik ab. Es werde der Eindruck erweckt, dass es nur um die Störung des Schullebens gehe.
Während zu dem Schulstreik am 16. März — unmittelbar vor der Verabschiedung des Nachtragshaushaltes in München — von der Schülermitverwaltung Mittelfranken, der Stadt-SMV und der Gewerkschaft der Schülerinnen und Studentinnen GSN aufgerufen wird, veranstaltet das Nürnberger Schülerbündnis zweieinhalb Wochen später, am 2. April (Start: 10 Uhr vor der Lorenzkirche) eine eigene, zusätzliche Schülerdemo. Dazu wird ebenfalls zu einem Schulstreik aufgerufen.
Wie ein Sprecher des Schülerbündnisses erläuterte, habe man es organisatorisch nicht geschafft, sich an der Veranstaltung am nächsten Dienstag zu beteiligen, an der die Mitglieder des Schülerbündnisses aber „als Privatpersonen“ teilnehmen werden. Der 2. April wurde aber bewusst gewählt, weil an diesem Tag europaweit Aktionen gegen den Sozialabbau stattfinden. Die bayerischen Kürzungen im Bildungsbereich seien im Kontext des generellen Sozialabbaus zu sehen. Unter den Mehrkosten durch den Wegfall der Lernmittelfreiheit oder durch die geplanten Studiengebühren leiden vor allem die sozial schwächeren Familien. Der Anteil der Arbeiterkinder an Universitäten werde daher noch weiter sinken. uwo / vip
13.3.2004 0:00 MEZ
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