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| 21.05.2004 - Knütter, Hans-Helmuth |
| Geschrieben von: 23 |
| Kategorie: |
Faschismus und Rassismus |
Quelle :IDGR-Lexikon Rechtsextremismus
http://lexikon.idgr.de/k/k_n/knuetter-hans-helmuth/knuetter-hans-helmuth.php
Knütter, Hans-Helmuth
Prof. Dr. (em.), Universität Bonn
Geb. 1934 in Stralsund
Politikwissenschaftler. Mitglied der CDU. Unterzeichnet den Berliner Appell, der am 28.09.1994 in der TAZ als Anzeige veröffentlicht wird; Unterzeichner der Anzeige in der FAZ vom 07.04.1995.
Von 1985 bis 1990 war Knütter Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB). Als Referent trat Knütter bis 1995 für die Bundeszentrale, bis 1994 parallel für das Bundesinnenministerium auf. Adressaten seiner Vorträge waren insbesondere Multiplikatoren wie Hochschullehrer, Jugend- und Sozialarbeiter sowie Schülerzeitungsredakteure. Die Themenpalette umfasste dabei schwerpunktmäßig Referate zu Rechtsextremismus und Nationalsozialismus. Seine Artikel zum Themenkomplex "Antifaschismus" und "Extremismus" erscheinen in der Wochenzeitung "Das Parlament", herausgegeben vom Deutschen Bundestag, und in der Reihe "Texte zur Inneren Sicherheit", herausgegeben vom Bundesministerium des Innern (BMI). Über die Jahre hinweg verneint der Politologe jegliche Gefahr durch den Rechtsextremismus und und behauptet, dass dessen Bedeutung "nur in den Vorstellungen seiner Gegner zu liegen" scheine, "die sich aber des rechtsextremen Schreckbildes oft nur zur Ablenkung bedienen."[1]
Denn der Feind, das steht für Knütter außer Zweifel, steht links. In seiner Position als damaliger stellvertretender Geschäftsführer des Politischen Seminars der Universität Bonn startete er 1996 eine Kampagne gegen den sozialdemokratischen Journalisten Anton Maegerle, deren Auftakt die Veröffentlichung eines Artikels in der Jungen Freiheit war. In einem Schreiben mit Institutsbriefkopf bot Knütters Mitarbeiter Burkhard Rinkens der Zeitung Zeit-Fragen, Organ der ultrakonservativen Psycho-Sekte Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis (VPM), den Nachdruck des Artikels an, in dem er unter anderem auch Maegerles Realnamen publik macht. Knütter selbst war bereits 1994 bei dem vom VPM mitveranstalteten 2. Kongreß "Mut zur Ethik" als Referent aufgetreten. Knütters Hetze gegen den Journalisten wird von vielen Nazi-Blättern aufgegriffen und erlangt auch durch die Zeitgleichheit die Form einer Kampagne. Besonders zu nennen seien hier die diversen Presseprodukte des Alfred Mechtersheimer sowie das NPD-Organ Deutsche Stimme oder das aggressiv-revanchistische und geschichtsrevisionistische Ostpreußenblatt der Landsmannschaft Ostpreußen. Diese Nachrichten werden auch über das Mailbox-System Thule-Netz in der militanten Neonazi-Szene verbreitet.[2]
Knütter schreibt für die Blätter Europa vorn, Junge Freiheit (seit Februar 1997 ständiger Mitarbeiter[3]), im Ostpreußenblatt, der Aula und der Deutschen National-Zeitung. Er ist außerdem wiederholt Referent bei der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt (ZFI).[4]
An der Universität fungierte Knütter lange Zeit als Mentor und Vertrauensdozent des studentischen Ost-West-Arbeitskreises, der sich im Rahmen des Studium universale neonazistische Referenten wie den Auschwitz-Leugner David Irving eingeladen hatte. Auch ein Liederabend des "nationalen Barden" Frank Rennicke, ehemaliger Aktivist der inzwischen verbotenen Wiking Jugend, wurde durch den quasi universitären Arbeitskreis organisiert.[5]
Nach der durch ihn initiierten Auflösung des Ost-West-Arbeitskreises 1994 gründete er den AK Linksextremismus, in dem Mitglieder des VPM Aufnahme fanden, Autoren der Jungen Freiheit, Vertriebenenfunktionäre und Vertreter des RCDS, der Studentengruppe innerhalb der CDU/CSU. Hinzu kamen zahlreiche Burschenschafter. Mit Hilfe dieser Kampftruppe entwickelte Knütter weitere Anti-Antifa-Strategien.
Am 3. Oktober 1996 hatte Knütter einen großen Auftritt vor stramm nationalem Publikum auf dem Kyffhäuser in Thüringen. Dort trafen sich zum zweiten Mal seit 1995 Parteien und Organisationen, die politisch zwischen den Unionsparteien und traditionellen rechtsextremen Parteien wie der NPD, DVU und Reps angesiedelt sind.[6]
Im April 1998 tritt er als Referent bei der Jahrestagung der Gesellschaft für freie Publizistik (GFP) auf. Die GFP wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als die "größte rechtsextremistische kulturpolitische Vereinigung" in der Bundesrepublik eingestuft.[7] Ein weiterer Auftritt bei der GFP folgt anläßlich der Jahrestagung vom 25. bis 27. April 2001. Referent auch bei der in Hamburg ansässigen Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e.V. (SWG), deren Hauptagitationsfeld die Wehrmachtsausstellung ist.[8] Auch bei dem Jahreskongress der Deutschen Konservativen e.V. Anfang März 2001 nimmt Knütter neben der Hamburger Rechtsanwältin Gisela Pahl und den Professoren Franz Seidler und Wilhelm Hankel sowie dem CDU-Mann Heinrich Lummer als Referent teil. Den musikalischen Unterhaltungsteil bestritt Frank Rennicke.[9]
2001 interviewt der Danube und Mitarbeiter des Kölner Deutschlandfunks, Bernd Kallina, den Emeritus, der einst "jahrelang Gastdozent an der Schule für Verfassungsschutz" war, für das unionsnahe Deutschland-Magazin. Knütter kritisiert in dem Gespräch den Verfassungsschutz, der es versäume, die SPD-Jugendorganisation, einzelne Gewerkschaften des DGB und "linksextrem ausgerichtete Teile der evangelischen Kirche" zu observieren und in den VS-Berichten zu erwähnen. Bereits am 25. Oktober 2000 traten Kallina und Knütter gemeinsam als Referentenduo bei der rechtsradikalen Runde Berliner Dienstagsgespräch auf. Thema: "Wie die Politik in Deutschland von Geheimdiensten manipuliert wird - Gefahr für Freiheit und Demokratie".[10]
Vor dem Cannstatter Kreis referiert Knütter am 23. März 2001 zum Thema "Immunisierung gegen linke Volksverhetzer - Angriff statt Verteidigung". Dabei bekennt Knütter unverhohlen: "Ich bin ein Verfassungsfeind, denn ich bin ein Feind dieser verderbten Verfassungswirklichkeit. ... Schröders 'Aufstand der Anständigen' ist eine mentale Bürgerkriegserklärung!" Der Verfassungsschutz, so Knütter, sei ein "Schutz des Establishments, nicht der Verfassung."[11]
Im Sommer 2003 kam es zu einer Neuauflage der Kampagne gegen Anton Maegerle. Nachdem das Innenministerium Nordrhein-Westfalen die Referentenliste zu einer Tagung zum Thema "Neue Rechte" veröffentlicht hatte, erhob erneut das neurechte Strategieorgan "Junge Freiheit" Vorwürfe einer angeblichen linksextremistischen Betätigung des Journalisten. In einem Rundumschlag wurde zugleich Thomas Pfeiffer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Innenministeriums, sowie weitere Referenten diffamiert. Sebastian Prinz, noch wenige Jahre zuvor in radikal rechtsextremen Kreisen aktiv, war es als Mitarbeiter eines CDU-Bundestagsabgeordneten gelungen, sein "Dossier" ausgehend von der "Jungen Freiheit" bis in die konservative Tagespresse zu bringen. Die Mühe eigener Recherchen hatte sich dabei kaum ein Redakteur gemacht. Einem Bericht von "Jungle World" zufolge soll Prinz in den 90er Jahren dem Arbeitskreis "Publizistische Aktivitäten gegen links" von Hans-Helmuth Knütter angehört haben.
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